AGJ fordert neues Verständnis von Bildung in Kitas und Schulen

Ein erweitertes Bildungsverständnis für die frühkindliche Betreuung

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) fordert in ihrem aktuellen Diskussionspapier „Mehr als Lesen, Schreiben, Rechnen! Zwischen Bildungsverständnissen und gemeinsamer Verantwortung von Kindertagesbetreuung und Schule“ eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Bildungsauftrag der Kindertagesbetreuung sowie deren Beziehung zum Schulsystem. Die AGJ kritisiert, dass das bestehende Bildungsverständnis innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe oft unzureichend beschrieben und vermittelt wird. Aktuelle bildungspolitische Debatten konzentrieren sich stark auf grundlegende Kompetenzen, Sprachstandserhebungen und Mindeststandards, während das umfassende Verständnis von Bildung in der frühkindlichen Betreuung in den Hintergrund gedrängt wird.

Bildung wird von der AGJ nicht nur als Wissensvermittlung betrachtet, sondern als ein Prozess, der durch Beziehungen, Spiel, aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt und Teilhabe am sozialen Leben geprägt ist. Um den Bildungsauftrag der Kindertagesbetreuung zu schärfen, benennt die AGJ vier zentrale Dimensionen, die für die frühkindliche Bildung von großer Bedeutung sind.

In Kürze

  • Die AGJ fordert ein breiteres Bildungsverständnis für die frühkindliche Betreuung.
  • Bildung sollte als Prozess in Beziehungen und aktiver Umweltinteraktion verstanden werden.
  • Vier zentrale Aufgaben der frühkindlichen Bildung werden definiert: Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit, Abbau von Benachteiligungen und Förderung von Partizipation.
  • Die AGJ sieht die Unterschiede zwischen Schule und Kindertagesbetreuung als Chance zur Schaffung von Bildungsgerechtigkeit.
  • Das Diskussionspapier ist besonders relevant im Kontext des geplanten Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes (SCQEG).

Zusammengefasst

Die AGJ unterstreicht die Notwendigkeit, den Bildungsauftrag der Kindertagesbetreuung neu zu definieren und an die aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen. Der Abbau von Bildungsungleichheiten könne nicht allein durch Diagnostik und Kompetenzförderung erfolgen, sondern erfordere auch gute Rahmenbedingungen, qualifizierte Fachkräfte sowie ein umfassendes Bildungsverständnis, das die Entwicklung der Kinder in den Mittelpunkt stellt. Die AGJ fordert daher verbindliche Kooperationsstrukturen zwischen Kindertagesstätten und Schulen sowie eine stärkere Berücksichtigung der emotionalen und sozialen Aspekte in der Bildungssteuerung.

Quelle: Der Paritätische

Das könnte Ihnen auch gefallen