Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe: Johanniter fordern Reformen

Die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe: Reformen für mehr Verlässlichkeit und Qualität

Die Johanniter-Unfall-Hilfe begrüßt den am 12. August 2026 vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe. Diese Reform zielt darauf ab, angesichts steigender Unterstützungsbedarfe, des Fachkräftemangels und der angespannten finanziellen Situation vieler Kommunen eine zukunftsfeste Kinder- und Jugendhilfe zu gestalten. Die Johanniter sehen jedoch auch Verbesserungsbedarf, um individuelle Hilfen, fachliche Qualität und eine stabile Finanzierung zu gewährleisten.

Ein zentrales Anliegen ist die Stärkung niedrigschwelliger und sozialräumlicher Angebote, um Hilfen besser miteinander zu verzahnen. Eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur kann Familien frühzeitig erreichen und den Zugang zu notwendigen Unterstützungsangeboten erleichtern. Dabei betonen die Johanniter die Wichtigkeit, dass diese Infrastruktur nicht die individuelle Hilfe ersetzt. Thomas Mähnert, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe, erklärt, dass die Unterstützung eines jungen Menschen oder einer Familie immer noch im Vordergrund stehen muss und intensivere Hilfe verlässlich zur Verfügung stehen sollte.

Ein weiterer Aspekt der Reform betrifft die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Schulen und Ganztagsangeboten. Hier sollen infrastrukturelle Gruppenangebote zur Bildungsassistenz eine größere Rolle spielen, während die Einzelassistenz erhalten bleibt, wenn sie aufgrund des individuellen Bedarfs erforderlich ist. Mähnert weist darauf hin, dass die Qualität der Hilfe und die Finanzierung entscheidend bleiben müssen.

Die Johanniter kritisieren jedoch, dass die angestrebte inklusive Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe ab 2028 nicht flächendeckend umgesetzt werden soll. Der derzeitige Entwurf sieht lediglich eine begrenzte Erprobung der Zusammenführung der Leistungen vor, was bedeutet, dass das Ziel, Hilfen und Leistungen für junge Menschen mit und ohne Behinderungen aus einer Hand zugänglich zu machen, vorerst unerreicht bleibt. Daher betonen die Johanniter die Notwendigkeit, niedrigschwellige Angebote zu stärken und individuelle Hilfen weiterhin am konkreten Bedarf auszurichten.

In Kürze

  • Die Bundesregierung plant eine Reform der Kinder- und Jugendhilfe zur Anpassung an steigende Unterstützungsbedarfe.
  • Die Johanniter unterstützen die Stärkung niedrigschwelliger Angebote und die Verzahnung von Hilfen.
  • Einrichtungsbezogene Unterstützungsangebote sollen flexibler organisiert werden, während individuelle Bedarfe im Mittelpunkt bleiben müssen.
  • Die angestrebte inklusive Gesamtzuständigkeit wird nicht flächendeckend umgesetzt, was die Zielerreichung gefährdet.
  • Die Johanniter fordern eine verbindliche Fortführung des Weges zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe.

Zusammengefasst

Die Johanniter-Unfall-Hilfe begrüßt den Kabinettsentwurf zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf, um die Qualität und Verlässlichkeit der Hilfen zu sichern. Die Stärkung niedrigschwelliger Angebote und eine bessere Verzahnung der Hilfen sind notwendig, um den individuellen Bedarfen gerecht zu werden. Kritisch wird die verzögerte Umsetzung der inklusiven Gesamtzuständigkeit bewertet, die es erforderlich macht, die individuelle Hilfestellung weiterhin am konkreten Bedarf auszurichten.

Quelle: Johanniter Unfallhilfe

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